Von den Römern bis zum Kölner Karneval
Von den Römern bis zum Kölner Karneval
Wie die Antike den Grundstein für unsere fünfte Jahreszeit legte
Wenn heute in Köln die Jecken feiern, die Straßen bunt werden und für ein paar Tage die Welt auf dem Kopf steht, dann steckt darin mehr als nur rheinische Lebensfreude. Einige unserer Karnevalsbräuche haben erstaunlich alte Wurzeln – und führen uns zurück in die Zeit der Römer.
Denn schon vor rund 2.000 Jahren wurde gefeiert, gelacht und für kurze Zeit so manche gesellschaftliche Ordnung auf den Kopf gestellt.
Die Römer verstanden es offenbar schon damals, das Leben nicht immer allzu ernst zu nehmen. Bei den Saturnalien, einem Fest zu Ehren des Gottes Saturn, wurde ausgelassen gefeiert. Es wurde gegessen, getrunken, getanzt und gelacht.
Besonders bemerkenswert: Für kurze Zeit wurden die gesellschaftlichen Rollen vertauscht. Herren bedienten ihre Sklaven, und selbst Kritik an den Mächtigen war erlaubt. Die gewohnte Ordnung stand Kopf – ein Gedanke, der uns bis heute im Karneval begegnet.
Auch Masken, Verkleidungen und festliche Umzüge gehörten zu verschiedenen antiken Festtraditionen. In der römischen Stadt Colonia Claudia Ara Agrippinensium, dem heutigen Köln, waren solche Feierlichkeiten Teil des kulturellen Lebens.
Mit dem Christentum veränderte sich die Bedeutung der Feierlichkeiten. Die ausgelassene Zeit vor der Fastenzeit wurde zunehmend in den kirchlichen Jahreslauf eingebunden.
Aus verschiedenen antiken, heidnischen und später christlichen Bräuchen entwickelte sich über Jahrhunderte das, was wir heute als Karneval kennen.
Im Mittelalter wurde in Köln bereits kräftig Fastnacht gefeiert. Die erste urkundliche Erwähnung des Kölner Fastelovends stammt aus dem Jahr 1341.
Der organisierte Karneval, wie wir ihn heute kennen, entstand schließlich im 19. Jahrhundert. 1823 wurde das Festordnende Komitee gegründet und der erste Rosenmontagszug veranstaltet.
Wenn wir heute kostümiert durch die Straßen ziehen, wenn der Alltag für ein paar Tage seine Regeln verliert, wenn der einfache Bürger den Mächtigen den Spiegel vorhält und wenn gemeinsam gefeiert wird, dann erinnern diese Gedanken durchaus an die antiken Festtraditionen.
Natürlich ist unser heutiger Karneval keine unveränderte Fortsetzung der römischen Saturnalien. Aber die Römer haben mit ihren Festen Ideen geprägt, die im späteren Karneval wieder auftauchen: Rollenwechsel, Ausgelassenheit, Verkleidung und das zeitweilige Aufheben gesellschaftlicher Grenzen.
Vielleicht steckt also tatsächlich ein kleines Stück Rom in jedem Jecken.
Und wenn an den tollen Tagen die Welt wieder einmal Kopf steht, dürfen wir uns daran erinnern: Die Idee, für kurze Zeit die gewöhnliche Ordnung auf den Kopf zu stellen, ist viel älter als der erste Rosenmontagszug.
Köln war schon jeck, als es noch Colonia hieß.
Historischer Hinweis: Die römischen Feste gelten als mögliche kulturelle Vorläufer. Eine direkte, lückenlose Entwicklung von den Saturnalien zum heutigen Kölner Karneval ist historisch nicht belegt.