Bundeskanzler Friedrich Merz fordert, dass in Deutschland mehr gearbeitet wird. Das ist bemerkenswert, denn nahezu zeitgleich versprechen Technologieunternehmen, dass Künstliche Intelligenz viele Aufgaben schneller, günstiger und effizienter erledigen kann. Man könnte also meinen, die Rechnung sei einfach: Wenn Maschinen produktiver werden, müssten Menschen irgendwann weniger arbeiten. Doch offenbar lautet die neue Formel: Die KI arbeitet schneller – und die Beschäftigten vorsichtshalber auch noch länger.
Damit steht die Arbeitswelt vor einem interessanten Experiment. Während Software in Sekunden Texte verfasst, Daten analysiert und Routineaufgaben übernimmt, wird gleichzeitig darüber diskutiert, wie sich die Arbeitszeit ausweiten lässt. Der technische Fortschritt, der einst als Weg zu mehr Freizeit galt, droht sich damit in sein Gegenteil zu verkehren: Die Maschine spart Zeit, und der Mensch füllt die gewonnene Zeit mit noch mehr Arbeit.
Noch spannender wird es, wenn Unternehmen die neue Technologie vor allem als Instrument zur Kostensenkung entdecken. Dann könnte die KI nicht nur Aufgaben übernehmen, sondern auch die Zahl der Arbeitsplätze reduzieren. Für manche Beschäftigte würde die Botschaft dann lauten: Arbeitet länger, obwohl die Arbeit schneller erledigt werden kann – und hofft gleichzeitig, dass die Maschine euren Arbeitsplatz nicht gleich mit übernimmt.