Adenauer baute Brücken – die heutige CDU baut lieber Mauern?
Adenauer baute Brücken – die heutige CDU baut lieber Mauern?
Vom Konzept der Volkspartei zur politischen Einbahnstraße
Eine satirisch-bissige Betrachtung über eine Partei, die einmal Menschen zusammenführen wollte und heute offenbar Schwierigkeiten hat, überhaupt noch alle mitzunehmen.
Konrad Adenauer hatte eine Vorstellung davon, was eine Volkspartei sein sollte. Eine Partei muss Brücken bauen. Zwischen Arbeitern und Unternehmern, zwischen Katholiken und Protestanten, zwischen Konservativen, Liberalen und christlich-sozialen Kräften.
Adenauer wusste: Eine Volkspartei entsteht nicht dadurch, dass alle Menschen dieselbe Meinung haben. Sie entsteht dadurch, dass Menschen mit unterschiedlichen Interessen trotzdem eine gemeinsame politische Heimat finden.
Adenauer baute Brücken. Die heutige CDU scheint dagegen gelegentlich schon mit dem ersten Spatenstich für einen Graben überfordert.
Vom Brückenbauer zum politischen Grenzkontrolleur
Man muss sich das einmal vorstellen: Da gründet ein alter Kölner eine Partei, die unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen zusammenbringen soll. Und Jahrzehnte später diskutiert dieselbe Partei darüber, wie sie Menschen erreicht, die sich von ihr nicht mehr angesprochen fühlen.
Aus dem politischen Wohnzimmer für unterschiedliche gesellschaftliche Strömungen scheint vielerorts ein Raum geworden zu sein, in dem die Möbel zwar noch stehen, aber die Gäste zunehmend fehlen.
Eine Volkspartei muss zuhören können. Auch dann, wenn es unbequem wird. Sie muss unterschiedliche Lebenswirklichkeiten verstehen und Kompromisse ermöglichen.
Heute dagegen entsteht bisweilen der Eindruck, dass politische Kommunikation mit dem Prinzip funktioniert: Wer nicht unserer Meinung ist, hat uns offenbar nur noch nicht richtig zugehört.
Die CDU und ihr verlorenes Fundament
Das eigentlich Tragische ist nicht, dass sich eine Partei verändert. Parteien müssen sich verändern. Gesellschaften verändern sich schließlich auch.
Das Problem beginnt dort, wo eine Partei ihre eigene Identität mit der Fähigkeit verwechselt, möglichst laut die eigene Position zu verkünden.
Adenauers Konzept beruhte auf Integration. Eine Volkspartei muss auch diejenigen erreichen, die nicht ohnehin schon am Parteitagstisch sitzen.
Sie muss nicht nur von wirtschaftlicher Stärke sprechen, sondern auch von der Lebenswirklichkeit der Menschen, die dieses Land tragen.
Und vor allem bedeutet es, Politik nicht mit einer Vorstandssitzung zu verwechseln, bei der die Bevölkerung lediglich als Tagesordnungspunkt auftaucht.
Adenauer würde vermutlich zumindest nach dem Bauplan fragen
Man stelle sich vor, Adenauer käme heute zurück und würde sich die politische Baustelle seiner Partei anschauen. Er sähe eine Partei, die sich weiterhin Volkspartei nennt, während sie gleichzeitig um ihre gesellschaftliche Verankerung ringt.
Er würde vielleicht fragen: Meine Herren, wo sind denn die Brücken geblieben?
Darauf käme vermutlich eine ausführliche Erklärung über Standortbestimmung, Kommunikation, Wähleransprache und strategische Neuausrichtung.
Adenauer würde sich seine Zigarre anzünden, den Blick über die politische Baustelle schweifen lassen und trocken feststellen: Ja, ja. Viel geredet wird. Aber gebaut wird offenbar woanders.
Und irgendwo stünde ein Parteistratege mit einem neuen Konzeptpapier: Projekt Volkspartei 2030 – Wir erreichen die Menschen dort, wo sie sind.
Nur leider hat man vergessen, die Menschen vorher zu fragen, wo sie eigentlich hinwollen.
Eine Volkspartei ist kein Namensschild
Eine Volkspartei muss nicht jedem gefallen. Aber sie muss für mehr Menschen da sein als für die eigene politische Komfortzone.
Adenauers CDU verstand sich als Brücke zwischen unterschiedlichen Teilen der Gesellschaft. Die heutige CDU muss sich daran messen lassen, ob sie diese verbindende Funktion noch glaubwürdig erfüllt.
Denn ein Parteiname ist schnell gedruckt. Gesellschaftliches Vertrauen dagegen muss man sich erarbeiten.
Vielleicht sollte die CDU weniger über Adenauer reden und wieder mehr von ihm lernen.
Denn eine Partei, die nur noch ihre eigene Richtung kennt, mag weiterhin Union heißen. Aber eine Union, die nicht mehr verbindet, sollte sich zumindest fragen, was von ihrem ursprünglichen Auftrag eigentlich übrig geblieben ist.
Adenauer wollte eine Volkspartei, die Brücken zwischen den Menschen baut. Die heutige CDU scheint manchmal damit beschäftigt, die eigene Brücke zu bewachen – und wundert sich anschließend, dass niemand mehr darüberkommt.
Und irgendwo in Rhöndorf dürfte eine alte Zigarre vor lauter Kopfschütteln von selbst ausgehen.