erst einmal musste Köln klären, wem der Platz gehört
Die Idee für einen Dirk-Bach-Platz entstand bereits 2021. Ausgesucht wurde eine bis dahin namenlose Fläche vor dem Schauspielhaus an der Brüderstraße, die im kölschen Alltag gerne „Kleiner Offenbachplatz“ genannt wurde.
Passte eigentlich hervorragend. Schließlich hatte Dirk Bach schon 1978 als 17-Jähriger am Schauspiel Köln auf der Bühne gestanden und war ab 1992 festes Ensemblemitglied.
Doch bevor aus dem Platz offiziell ein Dirk-Bach-Platz werden konnte, musste Köln erst einmal eine viel wichtigere Frage klären:
Wer darf eigentlich entscheiden, wie der Platz heißt?
Die Bezirksvertretung Innenstadt sagte: Wir.
Der Stadtrat sagte sinngemäß: Moment mal, wir vielleicht auch.
Und damit war die kölsche Platzbenennung endgültig dort angekommen, wo sie in Köln offenbar irgendwann immer landet: vor Gericht.
Im Juni 2022 hatte die Bezirksvertretung Innenstadt die Benennung beschlossen. Der Stadtrat sah die Fläche wegen ihrer Nähe zu den städtischen Bühnen als überbezirklich bedeutsam an und wollte selbst das letzte Wort haben.
Sein Plan: Die Fläche sollte dem Offenbachplatz zugeschlagen werden. Für Dirk Bach sollte dann eben irgendwo anders ein Platz gesucht werden.
Man kann sich fast vorstellen, wie Dirk Bach das kommentiert hätte:
„Dauert dat noch lang? Ich hab' schließlich schon einen Platz.“
Bezirksvertretung gegen Stadtrat – und am Ende entscheidet das Gericht
Bezirksbürgermeister Andreas Hupke von den Grünen und die Bezirksvertretung wollten sich das allerdings nicht gefallen lassen und zogen vor Gericht.
Das Verwaltungsgericht Köln gab ihnen recht. Die Stadt ging in die nächste Instanz.
Dann musste das Oberverwaltungsgericht Münster ran – und kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass keine ausreichenden Gründe dafür vorlagen, dem Stadtrat die Zuständigkeit zu übertragen.
Damit war der Weg frei.
2025 setzte die Stadt den Beschluss aus dem Jahr 2022 schließlich um.
Vier Jahre nach dem ursprünglichen Vorschlag war also klar: Dirk Bach bekommt seinen Platz.
Und jetzt, 2026, bekam der Platz auch noch seine Feier.
Ein Abend ganz ohne Verwaltungsgericht
Am 1. Oktober um 19.30 Uhr wurde es dann deutlich unterhaltsamer als in den Gerichtssälen.
Durch den Abend führte Georg Uecker. Dirk Bachs langjähriger Freund Ralph Morgenstern sprach über den Verstorbenen. Dada Stievermann las aus „Dear Dicki“, und Jonathan Briefs zeichnete noch einmal die bemerkenswerte Geschichte der Namensgebung nach.
Veranstalter waren das Centrum Schwule Geschichte und die Aidshilfe Köln gemeinsam mit dem Schauspiel Köln.
Der Eintritt war frei.
Und das ist vielleicht auch ganz passend. Denn Dirk Bach stand schließlich für etwas, das Köln ganz besonders gut kann: Menschen zum Lachen bringen.
Nur bei der Platzbenennung selbst war der Humor offenbar etwas unfreiwillig.
Denn während andere Städte einfach ein Schild aufstellen und sagen: „Hier ist jetzt der Dirk-Bach-Platz“, machte Köln daraus erst einmal ein mehrjähriges Verwaltungsdrama mit Bezirksvertretung, Stadtrat und zwei Gerichtsinstanzen.