Luggi und Mari
Wenn die Hölle durch den Magen geht
Eine himmlisch-höllische Geschwistergeschichte von amaara(R)Arts
Eine himmlisch-höllische Geschwistergeschichte von amaara(R)Arts
Es war einmal, irgendwo zwischen Himmel und Hölle, ein höchst ungewöhnliches Geschwisterpaar.
Die kleine Mari war ein Engel. Sie hatte goldene Locken, schneeweiße Flügel und ein Herz, das so groß war, dass selbst die griesgrämigsten Erzengel manchmal lächeln mussten.
Und dann gab es ihren Bruder Luggi.
Luggi hatte Hörner, einen spitzen Schwanz, einen Dreizack und eine ganz besondere Begabung: Er konnte innerhalb von drei Minuten ein himmlisches Durcheinander veranstalten, für das selbst der Teufel persönlich drei Wochen gebraucht hätte.
Aber Luggi hatte auch ein Geheimnis.
Er kochte höllisch gut!
Wenn er in seiner kleinen Höllenküche stand, brutzelte, schmorte und würzte er, dass selbst die Dämonen vor Begeisterung mit ihren Hufen stampften. Sein Sauerbraten war legendär, seine Soße ein Gedicht und seine Rouladen so zart, dass sogar Cerberus, der dreiköpfige Höllenhund, beim Essen alle drei Augen schloss.
Mari hingegen war die unangefochtene Königin der himmlischen Backstube.
Ihre Apfeltorte schmeckte nach Sonntag bei Oma, ihre Vanillekipferl machten selbst Zeuss und Poseidon schwach, und wenn sie ihren Schokoladenkuchen aus dem Ofen holte, schwebten die Engel freiwillig eine Etage tiefer.Na klar! Ich verhindere, dass die Menschen verhungern!“
Er probierte die Soße, nickte zufrieden und fügte eine Prise Paprika hinzu.
„Und nebenbei verhindere ich, dass sie an schlechtem Essen sterben.“
Mari musste lachen.
„Du bist unmöglich!“
„Aber lecker“, grinste Luggi.
Eines Tages kam Zeuss eine Idee.
„Wir veranstalten ein großes Fest! Himmel und Hölle sollen gemeinsam feiern. Und jeder bringt etwas mit.“
Die Engel jubelten. Die Dämonen grummelten. Und Luggi sprang auf den Tisch.
„EIN FESTESSEN! Das ist mein Moment!“
Mari faltete die Hände.
„Dann backe ich eine Torte, die so himmlisch ist, dass selbst der Teufel seine Sünden vergisst.“
Luggi lachte so laut, dass drei Fledermäuse aus dem Dachstuhl purzelten.
„Und ich koche ein Menü, bei dem selbst die Engel freiwillig in die Hölle kommen!“
„Luggi!“, rief Mari entsetzt.
„Nur zum Essen, Schwesterherz! Nur zum Essen!“
Die Vorbereitungen begannen.
Mari zauberte eine dreistöckige Sahnetorte mit Erdbeeren, Schokolade und einer Krone aus Zuckerblumen. Die Küche duftete nach Vanille, Zimt und frisch gebackenem Glück.
In der Hölle dagegen ging es zu wie bei einem Kücheneinsatz der Feuerwehr.
Luggi schwenkte Pfannen, warf Zwiebeln in die Luft und rief Befehle, als kommandiere er eine Armee.
„Mehr Knoblauch! Wo ist der Thymian? Wer hat meine Soßenkelle gesehen?“
Ein kleiner Dämon meldete sich zitternd.
„Chef, die Soße kocht über!“
Luggi warf einen Blick in den Topf.
„Das ist keine Katastrophe. Das ist Geschmacksexplosion!“
Als er schließlich seinen berühmten Sauerbraten servierte, wurde es still.
Der Teufel nahm einen Bissen.
Er kaute.
Er schloss die Augen.
Dann flüsterte er: „Luggi, mein Junge … du bist eine Gefahr für die gesamte Hölle.“
Luggi strahlte.
„Weil es so scharf ist?“
„Nein“, sagte der Teufel. „Weil du dafür sorgen wirst, dass hier bald keiner mehr arbeiten will. Alle sitzen nur noch bei dir am Tisch!“
Dann war Mari an der Reihe.
Sie trug ihre Torte herein, als wäre sie ein königlicher Schatz. Die Sahne glänzte, die Erdbeeren leuchteten und auf der Spitze saß ein kleiner Engel aus Marzipan.
Der Teufel betrachtete das Kunstwerk misstrauisch.
„Ist da irgendetwas drin, das mich in einen Frosch verwandelt?“
Mari lächelte unschuldig.
„Nur Butter, Zucker, Eier, Schokolade und ganz viel Liebe.“
„Liebe?“, murmelte der Teufel. „Das klingt verdächtig.“
Er probierte einen Bissen.
Dann noch einen.
Und noch einen.
Schließlich saß der mächtigste Herrscher der Unterwelt mit Sahne auf der Nase da und verlangte ein zweites Stück.
Luggi bog sich vor Lachen.
„Na, Chef? Schon auf dem Weg in den Himmel?“
Der Teufel leckte sich die Lippen.
„Wenn der Himmel solche Kuchen hat, sollten wir ernsthaft über einen Gebietstausch nachdenken.“
Mari strahlte.
„Siehst du, Luggi? Mit ein bisschen Liebe kann man alles erreichen.“
Luggi nickte nachdenklich.
„Stimmt. Und mit einer guten Soße auch.“
Fortsetzung folgt …